THOMAS KRAFT lebt als Autor, Literaturkritiker und Veranstalter in Herrsching am Ammersee. In diversen Projekten bemüht er sich um eine fröhliche Symbiose von Literatur, Film und Rockmusik.

Editorial zum Programmheft

»Es sind Harmonien und Kontraste in den Farben verborgen, die ganz von selbst zusammenwirken«, wusste schon Vincent von Gogh. In dieser Hoffnung haben wir auch das Programm des Allgäuer Literaturfestivals 2018 erstellt, fest auf die Neugier der Besucher vertrauend.

Markus Orths bringt uns das Leben des Künstlers Max Ernst aus der Sicht von sechs Frauen nahe, mit Annette Pehnt blättern wir weiter im Lexikon der Liebe, kochen mit Vincent Klink Gerichte gegen Liebeskummer, folgen mit Dominique Horwitz den Verwicklungen der Liebe, erfrischen uns an Kraftorten im Allgäu und frönen mit Reinhold Joppich und Mario Di Leo italienischer Lebensfreude.

Paul Maar erzählt schiefe Märchen und schräge Geschichten, fast wie Michael Lichtwarck-Aschoff, bei dem Träumer über Klostermauern fliegen, während Alex Burkard über die Leistungsfähigkeit von Rentieren informiert. Düster wird es bei der Mördersuche am Tegernsee und in einer Murnauer Silvesternacht zugehen, Petra Morsbachs Richterin sucht unter Aktenbergen das eigene Glück und Iris Radisch im von Krisen geschüttelten Nachbarland nach guten Büchern. Bei Stefanie Sargnagel gibt es Statusmeldungen aus dem Call-Center und bei Theresia Enzensberger den Emanzipationsversuch einer jungen Frau – wer könne dies besser kommentieren als Alice Schwarzer, Ikone der deutschen Frauenbewegung? Von Höhen und Tiefen eigenen und fremden Lebens berichten Ijoma Mangold, Alois Prinz und Hans Kammerlander.

Jeder Augenblick ist ewig, behauptet Konstantin Wecker. Ob Guido Knopp als Mr. History dem zustimmen wird? In jedem Fall gilt, wie Raoul Schrott weiß, schöner als mit Literatur lässt sich unsere Welt kaum erkunden.

Thomas Kraft